Gedenkveranstaltung: Bewegte Lichter gegen das Vergessen 16.03.2019

 Am Samstag, den 16.03.2019, dem internationalen Tag gegen Rassismus, haben wir uns am Synagogenmahnmal getroffen, um dort bei einer Kranzniederlegung den Opfern des NS- Regimes und ebenso den Opfern rechter Gewalt allgemein zu gedenken. Von diesen gibt es, laut offiziellen Zahlen, seit Kriegsende um die 200, jedoch könnte die Dunkelziffer im hohen 4-stelligen Bereich liegen. Stellvertetend für sie alle und für das Ende des 2. Weltkrieges vor 74 Jahren haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, 74 Opfern rechter Gewalt einen Namen zu geben und die ihnen widerfahrenen Gräueltaten zu benennen. Zwecks dessen wurde Name, Nationalität und Alter auf Plakate gedruckt, die die Gäste sich nehmen und während des Zuges zum Rathausplatz tragen konnten. Zugleich gab es die für die Veranstaltung obligatorischen Kerzen („Bewegte Lichter gegen das Vergessen“), die am Mahnmal verteilt und am Rathausplatz zu einem Friedens-Symbol geformt werden wollten.

Der Bürgermeister der Stadt Landau, Dr. Maximilian Ingenthron, hat zuerst auf den Bombenhagel auf Landau vor auf den Tag genau 74 Jahren aufmerksam gemacht. Er betonte dabei auch, dass diese grausamen Kriegshandlungen von Deutschland erst losgetreten wurden. Die gesamte Zeit unter der Nazi-Herrschaft nannte er die „schlimmsten, die dunkelsten Jahre der deutschen-, ja der Menschheitsgeschichte“. Weiterhin verwies er auf Heinrich Heines Zitat „Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man eines Tages auch Menschen“. Ein dystopisch anmutendes Zitat, das durch die wenige Jahre darauf durchgeführten Reichspogrome zur Realität geworden ist und den wahren Kern des NS-Regimes offenbart hatte. Damit gedachte er nochmals dem Brennen der Landauer Synagoge. Es war eine Zeit, in der Toleranz nicht gewünscht war. Alles, was nicht in das „Blut und Boden“- Bild der Nazi passte, wurde eliminiert.

Danach hatte Christine Kohl-Langer, Historikerin und Leiterin des Stadtarchiv Landau, das Wort, das sie nutzte, um die Erinnerungen an die Gräueltaten gegen die Mitglieder der Landauer jüdischen Gemeinde wachzurufen. Sie berichtete von den während des Laubhüttenfests stattfindenden Fahrten in den Post-Autos zum Bahnhof und der Verladung in Güter-Waggons, sie nahm uns mit auf eine äußerst bildhafte und damit bedrückende Reise zurück in eine Zeit, die niemand der vor Ort anwesenden Personen jemals selbst durchleben möchte. Sie erinnerte auch daran, dass in Landau die NSDAP Monate vor der Machtübernahme mehrheitlich gewählt wurde, eine erschreckende Tatsache mit großem Bezug zu aktuellen Wahlerfolgen von Rechtspopulisten auf der ganzen Welt. Dabei waren die Gründe damals wie heute oft wirtschaftlicher und kapitalistischer Natur, dies müssen wir uns immer wieder in Erinnerung rufen, wenn wir im Diskurs über oder gar mit Wählenden der Rechtspopulist*innen stehen.

Im Anschluss liefen wir mit den Kerzen über die Marktstraße zum Rathausplatz, wo wir im Sinne eines Frieden stiftenden Zeichens ein menschliches „Peace“-Symbol aufgestellt haben. Danach hielt Tanja Sattler, 1. Vorsitzende von Aufstehen gegen Rassismus Südpfalz e.V., ihre Rede. Sie warnte vor der Kategorisierung und dem „sich-über-andere-stellen“ bestimmter Menschen. Sie ermahnte uns, die Opfer nicht zu vergessen, auch nicht die des gerade in Neuseeland passierten Attentats auf eine Moschee. Ihrer Meinung nach dürfte eine solch menschenverachtende Ideologie spätestens seit dem NS-Regime keinen Nährboden mehr in unserer Gesellschaft finden. Dass sie es dennoch tut, macht sehr betroffen. Sie ermutigt uns, jeden Tag an alle Opfer zu gedenken und sie im Herzen zu bewahren, „Nie wieder Krieg! Nie wieder Gewalt! Nie wieder Faschismus! Nie wieder Rassismus! Nie wieder“ war ihr Abschlussplädoyer, dem eine Schweigeminute folgte.
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